Mitgliederprojekt Malaysia

DIE FONAP PROJEKTPHASEN – ÜBERBLICK

Kooperation mit Wild Asia und WWF

Mit diversen Maßnahmen unterstützen die im FONAP organisierten Mitglieder aktiv die Förderung von ökologisch und sozial verträglicheren Anbaumethoden in den Ursprungsländern. Im Zentrum des Jahres 2018 stand der Beginn des FONAP Mitgliederprojekts in Malaysia, eine Kooperation des FONAP mit WWF Deutschland und Wild Asia. In der Region Perak testeten Kleinerzeugende die Umsetzbarkeit der FONAP-Zusatzkriterien, darunter zum Beispiel den reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Die malaysische Nichtregierungsorganisation Wild Asia hat umfassende Schulungskompetenz im Bereich von ökologisch und sozial verträglicherem Anbau von Palmöl und kooperierte damals mit 335 Kleinbauern. Im Jahr 2012 wurde das Wild Asia Group Scheme (WAGS) gegründet. Im Rahmen dieses Programms arbeitet Wild Asia mit unabhängigen Kleinbauern zusammen, um diese bei der Verbesserung ihrer landwirtschaftlichen Praktiken und Einhaltung nationaler und internationaler

Standards (wie dem gesetzlich geregelten Malaysian Sustainable Palm Oil (MSPO) und Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO)) zu unterstützen. Kleinbäuerin/Kleinbauer ist, wem weniger als 40 Hektar Anbaufläche zur Verfügung steht. WAGS ist zudem eine gemeinschaftliche Entwicklungsinitiative, mit der die Lebensgrundlage der Kleinerzeuger verbessert werden soll, indem die Erträge gesteigert werden und der Zugang zum internationalen Markt für zertifiziertes Palmöl gewährleistet wird.

DIE ERSTE PHASE UNSERES KLEINBAUERNPROJEKTS

Testen der FONAP-Zusatzkriterien

Projektphase I

  • Wann

    Juli 2018 bis Juni 2019

  • Wer

    Kooperation FONAP mit WWF und Wild Asia (Malaysia)

  • Wo

    Region Perak/Malaysia

  • Was

    Ein Dutzend Kleinbäuerinnen und Kleinbauern testen die Anwendbarkeit und praktische Umsetzbarkeit der FONAP-Zusatzkriterien

Die FONAP-WWF-Wild Asia Kooperation

Impact of the FONAP Add-on Criteria on Small Producers in Malaysia” – So lautete der Titel von Phase I unseres ersten Pilotprojekts in Malaysia. Eine Kooperation des FONAP mit dem WWF Deutschland und der Nichtregierungsorganisation Wild Asia. Alle FONAP-Mitglieder haben die erste Phase finanziell unterstützt.

FONAP hat 2017 Zusatzkriterien für die ökologisch und sozial verträglichere Palmölproduktion entwickelt. Diese beinhalten weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und bessere Bodenfruchtbarkeit. In einem Teil des Projektes haben Kleinbäuerinnen und Kleinbauern aus der Region Perak/Malaysia die Anwendbarkeit und praktische Umsetzbarkeit der FONAP-Zusatzkriterien in ihren Kleinbetrieben getestet. Die erste Phase dauerte von Juli 2018 bis Juli 2019. Während der Projektzeit schulte und monitorte unser Kooperationspartner Wild Asia die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

Die wichtigsten Ergebnisse von Phase 1:

Das FONAP-Kleinerzeugerprojekt hat dazu beigetragen, dass die beteiligten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein besseres Verständnis für die Bedeutung von Biodiversität auf und in ihren Böden entwickelt haben. Die Kleinerzeuger haben gezeigt, dass eine organische Produktion ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglich ist und sogar höhere Erträge bringen kann. Auch konnten erste Belege gesammelt werden, dass sich eine Diversifizierung des Anbaus positiv auf die Bodenfruchtbarkeit und das Einkommen auswirken kann. Dabei können Abhängigkeiten von synthetischem Dünger/Pflanzenschutzmittel reduziert und mittel- bis langfristig der Weg zur Bio-Produktion geebnet werden.

Auf den Demoplots wenden die Bauern und Bäuerinnen verschiedene nachhaltige BIO-Methoden an, die zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit beitragen. Eine Auswahl der verwendeten Methoden ist in der Grafik dargestellt.

Beteiligte Kleinbäuerinnen und Kleinbauern

Was sagen die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu der ersten Projektphase?
Vier der beteiligten Plantagenbesitzer lernen Sie hier kennen.

Der Optimierer

  • Dieser lästige Gegner ist kaum einen Zentimeter groß. „Ich versuche meine Farm so frei wie möglich von Pestiziden zu halten. Ich habe Chemikalien immer vermieden. Schon wegen meiner Gesundheit!“ Herr Chong arbeitet seit langem nachhaltig, nicht erst seitdem er RSPO-zertifiziert ist.
  • Die kleine Farm von Herrn Chong ist der reinste Mischwald. Er pflanzt Blumen an, die wiederum die Laufkäfer anlocken. Laufkäfer sind die größten Feinde der Sackträgerraupe. Außerdem sprießen auf seinem Grund Bananen, Ananas, Zuckerrohr – bis hin zu chinesischen Heilkräutern. Er holt also maximales aus seinen 1,6 Hektar heraus und sorgt gleichzeitig für mehr Artenvielfalt.
  • Ich bin dankbar für die Schulung von Wild Asia, die dazu beigetragen hat, mein Wissen im Bereich des Ölpalmen-Anbaus zu vertiefen.
  • Vor fünf Jahren entschied sich Herr Chong dazu, den Kautschukanbau aufzugeben und auf Palmöl zu setzten. Warum? Weil es schwer sei, Farmarbeiter in dieser Region zu finden, meint der 57-jährige: „Kautschuk muss jeden Tag abgezapft werden. Das ist sehr arbeitsintensiv. Palmöl dagegen ist optimal. Wir ernten nur noch alle 20 bis 25 Tage!“

Die Fischerin

  • Frau Dongkin ist stolz auf ihre Erntebilanz: Zur besten Jahreszeit erntet sie um die 20 Tonnen Fruchtbüschel im Jahr. In der schlechten sind es immerhin um die 16 Tonnen. „Es ist eine harte Arbeit – du gehst morgens ganz früh raus und kommst spät abends zurück. Meine Kinder haben noch nicht signalisiert, ob sie sich das antun wollen.“ Doch das größte Problem von Frau Ramnumkin: Die Bezahlung der Farmarbeiter, denn auch Kleinbauern benötigen Hilfe bei der körperlich schweren Ernte.
  • Durch meine Zusammenarbeit mit Wild Asia habe ich technische Unterstützung in Bezug auf den richtigen Umgang mit Chemikalien und das Ausbringen von Düngemitteln erhalten. Ich sprühe jetzt weniger. Das ist auch kostengünstiger. Ich ziehe eine positive Bilanz.
  • Die Farmerin Herzuza Dongkin herrscht über fünf Hektar Palmölwald. Das mittelfristige Ziel der 38-jährigen ist die RSPO-Zertifizierung. „Ich dachte früher, Unkraut sei schlecht. Deshalb habe ich viele Pestizide gesprüht. Wild Asia hat mich aber davon überzeugt, dass es gut ist, wenn der Boden um die Palmen bewachsen ist. Damit wird zum Beispiel die Feuchtigkeit gespeichert.“
  • Seit dem sie mit Wild Asia zusammenarbeitet, verzichtet sie weitestgehend auf Pestizide. Das kommt nicht nur der Ölpalme zugute – sondern auch den Fischen! In den Bewässerungskanälen legt sie Reusen aus. Als Köder nutzt sie Palmölfrüchte. „Mit dem Fischen sparen wir Geld! Wir bauen hier auch alle möglichen Gemüsesorten an. Wir können uns also gesund ernähren, obwohl wir weniger als 2000 RM* im Monat verdienen.“ *Umgerechnet ca. 440 Euro
  • Seit zehn Jahren betreibt Frau Dongkin ihre Farm. Als sie vor 10 Jahren anfing, fand sie eine verwilderte Plantage vor. Ihre Vorgänger probierten es mit Reis, die nächsten mit Kautschuk. “Wir mussten alles mit der Hand machen: Das Gestrüpp abhacken und Kanäle anlegen. Wir hatten kein Geld für Maschinen.“ Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Neben Haus und Hof ist ihre Familie ihr größter Schatz. Und fast jeden Tag gibt es frischen Fisch.

Der Experimentelle

  • Neoh Ah Sang besucht mit dem Moped seine zwei Palmöl-Plantagen. Er hat sie von seiner Mutter geerbt. Die Plantagen sind sein einziger Broterwerb. „Wenn es gut läuft, dann verdiene ich so um die 1500 RM* monatlich. Ich bin aber nie unterhalb der 1000 RM Grenze. Das ist gut!“ Auch Herr Neoh vermeidet Pestizide. Um die Sackträgerraupe zu bekämpfen, hat er überall Rasen gesät. „Die Raupe kommt vor allem bei Trockenheit. Das Gras hält den Boden feucht und der Parasit bleibt fort. Ich muss vor allem schauen, dass mein Rasenmäher richtig funktioniert.“ *Umgerechnet ca. 320 Euro
  • Mit der Hilfe von Wild Asia lernt der 47-jährige neue Düngemethoden kennen. Auf seiner zweiten Plantage experimentiert Herr Neoh seit einigen Monaten mit natürlichem Dünger: Eine Mischung aus Fasern und Tierdung. Außerdem kauft Herr Sang einen Bio-Dünger. „Seitdem ich den einsetze, hat sich meine Ernte verdoppelt in den letzten vier Monaten.“
  • Einziger Wehrmutstropfen, so Neoh Ah Sang: „Ein 10-Liter Kanister kostet 168 RM*. Das ist mein größter Kostenpunkt. Aber da mein Boden immer besser wird, brauche ich immer weniger von den Kanistern.“ Bis vor zwei Jahren habe ich nur Kunstdünger verwendet. Damals fuhr ich so um die zwei Tonnen Fruchtbüschel pro Monat ein. Außerdem starben immer wieder die Bäume. Jetzt komme ich im Schnitt auf 4 Tonnen, manchmal auch auf 7 Tonnen pro Monat. Das Experimentieren lohnt sich!“ *Umgerechnet ca. 36 Euro
  • Herr Neoh zielt auf die RSPO-Zertifizierung. Zum einen kann er mit effektiven Anbaumethoden Geld sparen. Was ihn aber besonders reizt: „Ich will das RSPO- Zertifikat, weil da ein großer Bedarf ist. Die Abnehmer wollen nachhaltige Ware!“
  • Ich habe nicht nur die Produktionskosten um etwa 30% gesenkt, sondern meine Erträge sind auch auf durchschnittlich 4 Tonnen pro Hektar gestiegen, verglichen mit 1 bis 2 Tonnen in den letzten Jahren. Meine Böden sind jetzt gesünder – zum Beispiel sind die Blätter groß und hellgrün.

Die Gesunde

  • Tiam Su Goi hilft ihrem Mann auf der familieneigenen Ölplantage. Die 46-jährige wacht über die Zahlen im Hause Tiam. Sie führt die Bücher des Betriebs. Von den Produktionszahlen bis hin zu den Ausgaben für Dünger.
  • Wie auch die anderen Kleinbauern in der Region Perak muss sich Frau Tiam in erster Linie mit der Sackträgerraupe herumschlagen. „Die ist wirklich schwer zu kontrollieren. Wir haben Rasen gesät und verwenden bei ganz schlimmen Befall Chemie.“ Für die Düngung probiert sie nun etwas Neues und das Thema Gesundheit hat sie immer im Blick. Wild Asia Mitarbeiterin Izzaty Ibrahim hat sie auf die Idee gebracht.
  • Was erstmal wenig appetitlich aussieht, könnte Frau Tiams Produktion weiter verbessern. Und es ist 100 Prozent biologisch. Ein Kompost aus Fruchtenzymen. „Wir probieren das einfach ab nächstem Monat mal aus. Wir können hier nichts falsch machen – ist ja Bio“, meint Frau Tiam.
  • Für Tiam Su Goi ist ein gesundes Umfeld ein Muss. “Für mich ist das nicht okay, so viele Chemikalien zu nutzen. Es geht mir nicht primär darum Kosten zu sparen. Vielmehr müssen wir auf unsere Natur achten – es wird doch sonst nur schlimmer. Wir tragen Verantwortung auch für die künftigen Generationen.“
  • Durch Wild Asia habe ich technische Unterstützung in Bezug auf die Pflege des Bodens, das Ausbringen von Düngemitteln und den richtigen Umgang mit Chemikalien erhalten. Ich habe auch neue Methoden wie das Kompostieren gelernt, die ich für meine Pflanzen rund um das Haus verwende, was ich für gut halte!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die zweite Phase unseres Pilotprojekts

Natürliche Anbaumethoden und digitale Technik

Projektphase II

  • Wann

    Dezember 2019 bis März 2021

  • Wer

    Kooperation FONAP mit WWF und Wild Asia (Malaysia)

  • Wo

    Region Perak/Malaysia

  • Was

    Förderung der chemiefreien Produktion – Unterstützung praktischer Demonstrationsbetriebe

Transparente Lieferketten - PalmoilTrace – FarmGate App

Transparente Lieferketten – PalmoilTrace – FarmGate App

Im Dezember des Jahres 2019 startete die zweite Phase des FONAP-Mitgliederprojekts in der Region Perak in Malaysia, erneut in Kooperation mit dem WWF Deutschland und Wild Asia. Im Fokus standen chemiefreie Produktion, Schulungen auf Demonstrationsbetrieben und der Einsatz digitaler Tools wie der FarmGate-App zur Rückverfolgbarkeit. Erste Ergebnisse aus Phase eins zeigten, dass durch Biodiversität im Boden, organische Anbaumethoden und Anbaudiversifizierung Erträge steigen konnten und den Weg zum integrierten Anbau ebnen (Herstellung von z. B. organischem Dünger und möglichst dem vollständigen Verzicht von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln).

Anbaumethoden mit natürlichen Feinden

Die 2. Phase unseres Projekts baute außerdem auf den Erfahrungen der ersten Runde auf. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern wurden weiter im Umgang mit alternativen Anbaumethoden wie dem Einsatz von organischen Düngemitteln geschult. Hierzu werden zu Trainingszwecken Demonstrationsflächen auf Plantagen eingerichtet. Nicht mehr Pflanzenschutzmittel, sondern Wespen gehen den Schädlingen nun an den Kragen.

INTERVIEW

Projektleiter Dr. Reza Azmi (Wild Asia) über unser FONAP-Projekt

Erkenntnisse der 1. Phase – Dr. Reza Azmi – FORUM Nachhaltiges Palmöl

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die Bedeutung der PalmoilTrace FarmGate App für die Palmöl-Lieferkette

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Erwartungen von Dr. Reza Azmi an die 2. Projektphase – FORUM Nachhaltiges Palmöl

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen