Herausforderungen & Chancen
Herausforderungen
Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung steigt auch die Nachfrage nach Palmöl stetig. Während 1961 weltweit noch 3,62 Millionen Hektar Land für die Palmölproduktion genutzt wurden, waren es im Jahr 2021 fast 20 Millionen, heute fast 30 Millionen Hektar (2026), Tendenz steigend. Die damit verbundenen Landnutzungsänderungen, vor allem aber die daraus resultierenden Effekte auf die Umwelt sind daher viel diskutierte Themen in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Und tatsächlich finden sich klare Gründe für eine Kritik an der Produktion von Palmöl: Ob Regenwaldabholzung, Ausstoß von CO2-Emmissionen oder Menschrechtsverletzungen, die negativen Auswirkungen der sich ausbreitenden Palmölplantagen sind beinahe genauso vielfältig wie die positiven Eigenschaften des boomenden Agrarrohstoffes.
Regenwaldzerstörung & Brandrodung
Da Ölpalmen ausschließlich in tropischem Klima wachsen, wird für ihren Anbau oftmals großflächig Regenwald abgeholzt und Treibhausgasemissionen durch die Brandrodung freigesetzt. Besonders Indonesien und Malaysia haben durch den Ölpalmenanbau große Verluste des Primärwaldes zu verzeichnen. Die Primärwaldrodung stieg in beiden Ländern jahrzehntelang an. Seit einigen Jahren ist die Fläche des jährlich gerodeten Waldes jedoch rückläufig. Für Indonesien bedeutet dies einen durchschnittlichen Rückgang des Primärwaldverlustes im Vergleich von 2017 und 2022 um 64 Prozent und für Malaysia 57 Prozent. Dies sind zwar nennenswerte Fortschritte, jedoch wurden im Jahr 2022 in Indonesien immer noch über 0,2 Millionen Hektar Primärwald abgeholzt.
Die Produktion von Palmöl trägt damit entscheidend zum Artensterben bei. Neben dem vom Aussterben bedrohten Orang-Utan sind von der Zerstörung der Regenwälder viele weitere Arten betroffen. Forscher der Queen Mary University of London konnten am Beispiel der Fledermaus zeigen, dass der Plantagenanbau durch die ständige Zerstückelung und Zerstörung tropischer Urwälder katastrophale Folgen hat. Speziell die Vielfalt von Tierarten, aber auch die genetische Vielfalt einer Art, gehen dabei verloren. Diese Ergebnisse wurden bereits 2011 in der „Science Daily“ veröffentlicht.
Brandrodung für Palmöl
Eine Folge der Regenwaldzerstörung ist die Zunahme an Kohlendioxid in der Atmosphäre. Um die landwirtschaftlichen Flächen für den Ölpalmenanbau nutzbar zu machen, werden diese häufig brandgerodet. Dabei setzen vor allem Torfböden gespeichertes Kohlendioxid in großen Mengen frei. In Indonesien ist dieses Vorgehen seit 2019 verboten, die Nachverfolgung entsprechender Delikte ist jedoch besonders in abgelegenen Gebieten schwierig.
Die Brandrodung und damit einhergehende Luftverschmutzung haben häufig direkten Einfluss auf die Gesundheit der in den Anbaugebieten lebenden Menschen. In 2015 entwickelte sich in Folge der Brandrodung von Regenwäldern in Indonesien so starker Smog, dass in Malaysia und Singapur Warnungen aufgrund gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung ausgesprochen werden mussten. In der thailändischen Großstadt Songkhla etwa wurden in Folge der Brände im November 2015 rund 365 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen – der EU-Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm.
Menschenrechtsverletzungen auf Plantagen
Meldungen aus den Anbaugebieten insbesondere in Indonesien zeigen deutlich, dass der Anbau von Ölpalmen oftmals mit schlechten Arbeitsbedingungen, sozialer Ungerechtigkeit, Landkonflikten und damit mit massiven Menschenrechtsverletzungen einhergeht. Plantagenarbeiter*innen leben mit ihren Familien oftmals auf den Ölpalmenplantagen, häufig ohne Kontakt zum Leben außerhalb der Plantage. Häufig sind auch indigene Völker betroffen, die von ihren Ländern vertrieben und ihrer Lebensgrundlage beraubt werden.
Besondere Benachteiligung gilt nationalen Wanderarbeiter*innen, die in wirtschaftliche oder rechtliche Abhängigkeiten geraten. Häufig gelangen sie in ein Schuldknechtsverhältnis, da sie sich verschulden, um anfallende Kosten von der Arbeitsvermittlung bis zur Ankunft auf der Plantage zu begleichen. Aber auch die Rechtsverletzung von Frauen stehen im Fokus. Ölpalmölplantagen sind sehr weitläufig, wodurch Arbeiter*innen und Bewohner*innen anliegender Dörfer einem erhöhten Risiko von sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Migrantischen Wanderarbeiterinnen drohen in Malaysia, im Falle einer Schwangerschaft, die Abschiebung. Sie müssen sich deshalb regelmäßigen Gesundheitskontrollen unterziehen. Sollte es doch zu einer Geburt kommen, erhält das Kind weder die malaysische Staatsbürgerschaft noch die der Eltern. Dem Kind wird zusätzlich das Recht auf staatliche Dienstleistungen und Bildung verwehrt (Studie „Menschenrechte im Palmölsektor“). Umso wichtiger ist es daher, den dort lebenden Kindern unter anderem Zugang zu Bildung zu ermöglichen und den Arbeiter*innen Mindestlöhne zu zahlen.
Verzicht auf Palmöl – eine Lösung?
Trotz der genannten Herausforderungen ist der Anbau der Ölpalme nicht grundsätzlich schlecht. Er bringt sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile mit sich.
In den Anbauländern selbst ist die Produktion von Palmöl ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Der internationale Handel mit Palmöl ist eine wichtige Einnahmequelle, die einen enormen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten kann. Darüber hinaus schafft die nicht mechanisierte Ernte der Palmfrüchte, die etwa 15 -mal im Jahr möglich ist, zahlreiche wichtige Arbeitsplätze. Diese werden dadurch vor allem in den ländlichen, häufig strukturschwachen Regionen angeboten. Klar ist aber auch, dass Plantagenarbeiter*innen einen Mindestlohn beziehen und (inter)nationales Arbeitsrecht eingehalten werden muss. Ebenso sind eine Einbindung und die Förderung von Kleinbäuer*innen, die etwa 40% des weltweiten Palmöls produzieren, sowie ein Verbot von Kinderarbeit auf den Plantagen absolut notwendig.
Die Ölpalme hat den höchsten Ertrag aller Ölpflanzen. So deckt Palmöl einen großen Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenöl, nimmt mit etwa 29 Megahektar Anbaufläche jedoch nur rund 5,3 Prozent der globalen Anbauflächen für Pflanzenöle in Anspruch. Darüber hinaus produziert die Ölpalme als einzige Nutzpflanze zwei verschiedene, für die Industrie interessante Öle: Palmöl und Palmkernöl. Die Ölpalme nimmt den geringsten Teil der gesamten Anbaufläche für die weltweite Öl- und Fettgewinnung ein, stellt mit etwa 40 Prozent der Pflanzenfette gleichzeitig aber den größten Anteil der Gesamtproduktion. Sonnenblumen, Kokos oder Soja – ihr Flächenertrag ist im Durchschnitt drei Mal geringer als der von Palmöl. Ein Ersatz durch andere Pflanzenöle würde daher nicht zu den gewünschten Zielen führen, sondern das Problem lediglich verlagern und teilweise sogar verschlimmern. Wenn die Alternativen in ähnlich sensiblen Regionen wie die Ölpalme beheimatet sind, wird für den Anbau mehr Regenwald gerodet. Hierdurch besteht das Risiko einer Zunahme von Treibhausgasemissionen sowie einer stärkeren Beeinträchtigung der Biodiversität. Auch das wichtigste europäische Pflanzenöl, das Rapsöl, könnte die steigende globale Nachfrage nach Pflanzenölen nicht decken. Die gute Flächenleistung ist angesichts der steigenden Weltbevölkerung und des wirtschaftlichen Wachstums der Verbraucherländer wichtige Voraussetzung, um der steigenden Nachfrage nach Pflanzenölen begegnen zu können.
Ökologisch und sozial verträglicherer Ölpalmenanbau
Für eine resiliente Produktion von Palmöl ist vor allem wichtig, dass die für den Anbau der Ölpalme genutzten Flächen nicht zu Lasten der Umwelt umgewandelt werden. Die Einhaltung der Guten Agrarwirtschaftlichen Praxis ist eine der Säulen für diesen Anbau. Dabei sollte der Ölpalmenanbau ausschließlich auf Brachflächen und landwirtschaftlich nutzbarem Land und Flächen erfolgen, um die Gefahr der Freisetzung von Kohlenstoff zu minimieren. Die Herausforderung eines derartigen Anbaus besteht darin, den größtmöglichen Ertrag zu erzielen und die Natur gleichzeitig so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.
Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Regierungen der Anbauländer. Sie müssen entsprechende Gesetze formulieren und durchsetzen, welche die Landnutzung regulieren. Darüber hinaus stehen aber auch Produzent*innen und Verbraucher*innen entlang der gesamten Lieferkette in der Verantwortung. Ihre Pflicht ist es, geltende Gesetze, und damit die Mindeststandards, einzuhalten und darüber hinaus eine nachhaltige Produktion und einen fairen Handel zu fördern. Zertifizierung kann hier eine wichtige Rolle spielen.
Im Juni 2023 ist die EU-Verordnung zur Vermeidung von Entwaldung (eng.: EU Deforestration Regulation, kurz EUDR) in Kraft getreten. Diese besagt, dass bestimmte Produkte ab dem 1. Januar 2027 nur noch im EU-Markt angeboten werden dürfen, wenn sie ohne Abholzung und Waldschädigung hergestellt wurden. Dafür müssen Unternehmen Sorgfaltspflichten erfüllen. Die EUDR gilt für Produkte aus Palmöl, Soja, Rindfleisch und Leder, Kaffee, Naturkautschuk und Holz.