Am 29. April fand in Berlin unsere diesjährige Mitgliederversammlung statt. Mit Sprecher*innen aus Malaysia, Indonesien, den USA und Europa war sie diesmal besonders international aufgestellt.
Ruf nach einem Paradigmenwechsel
In den Räumlichkeiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit warf Unterabteilungsleiter für nachhaltige Lieferketten, Agrar- und Ernährungssysteme Paul Garaycochea einen Blick auf die aktuellen Herausforderungen und Chancen in der nachhaltigen Palmölproduktion. Der Leiter der Unterabteilung für Wald- und Jagdpolitik, Nachhaltigkeit im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Eckard Heuer ging insbesondere auf die aktuellen Entwicklungen zu entwaldungsfreien Lieferketten und den wertvollen Beitrag des FONAP zur Förderung der Erreichung dieser Ziele ein.
In seiner Keynote-Rede forderte Professor Dr. Alain Rival vom Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement (CIRAD) einen Paradigmenwechsel für Palmöl-Produktionssysteme. Der Anbau müsse sich an den Klimawechsel anpassen und viel stärker auf Biodiversität setzen. Professor Rival favorisiert in diesem Zusammenhang konzertiertes Handeln in Landschaftskontexten und setzt sich für komplexere Agroforstsysteme mit vielfältiger Pflanzengemeinschaft ein. Als Belege brachte er Ergebnisse und Erkenntnisse aus Feldforschungsprojekten aus zahlreichen Ländern mit. Auch Frauen und lokale Gemeinschaften müssten stärker profitieren.
Auf einem spannenden Panel diskutierte Alain Rival mit Reza Azmi (Wild Asia), Charlotte Opal (Earthworm Foundation) und Jutta Stute (BASF), wie ein solcher Paradigmenwechsel in der Praxis gelingen kann. Klar wurde, dass Dialog und Zusammenarbeit dafür unabdingbar bleiben. Besonders Lernerfahrungen sollten breiter geteilt und berücksichtigt werden. Wichtig sei dabei, auch den wirtschaftlichen Mehrwert – den business case – für Innovationen herauszustellen.
Einblicke aus Malaysia und Indonesien
Einen besonderen Höhepunkt bildete ein Vortrag von Sabarudin, Chairman der indonesischen Kleinbauernorganisation Serikat Petani Kelapa Sawit (SPKS). Für zertifizierte Kooperativen werde es immer schwerer, über den Verkauf von Independent Smallholder Credits von ihren Siegeln zu profitieren. Der für Kleinbauernorganisationen bisher so zentrale Zertifikatemarkt sei im Grunde kollabiert. Auch gebe es derzeit innerhalb von RSPO eine Diskussion darüber, keine weiteren kleinbäuerlichen Gemeinschaften und Kooperativen für Neu- und Erst-Zertifizierungen zuzulassen, bis für die vorhandenen zertifizierten Volumen aus kleinbäuerlichen Strukturen erfolgreich Abnehmer gefunden seien. (Technisch werde wohl von einem Moratorium gesprochen.) Lange Lieferketten blieben in Summe eine Herausforderung.
Über Projekte des FONAP vor Ort berichteten die Vorstandsmitglieder Sascha Tischer und Reza Azmi.
Ehrenpreise zum zehnten Geburtstag
Am 11. November 2015 wurde der FONAP e.V. nach zwei Jahren informeller Zusammenarbeit zum Verein. In seinem Jubiläumsjahr dankte der Vorstand Persönlichkeiten, die das FONAP von Anfang an – und somit schon vor Vereinsgründung – mitgestaltet haben: Ilka Petersen von WWF, Stefanie Schönherr von dm und den Brüdern Daniel und Markus Nölken von Nölken Hygiene Products.

Weichenstellungen für FONAP
Wie jedes Jahr beriet und entschied die Mitgliederversammlung über eine ganze Reihe an Anträgen, Beschlussvorlagen und relevanten Themen für die weitere erfolgreiche Vereinsgestaltung und -steuerung. Dieses Jahr standen neben der Haushaltsplanung zwei besondere Themen auf der Agenda: eine Anpassung der Selbstverpflichtung zur Förderung von Bio-Palmöl und eine Neuorganisation des FONAP-Sekretariats. Letzteres wird künftig vom Global Nature Fund (GNF) übernommen. Geschäftsführer Stefan Hörmann und Kollegin Gudrun Schlöpker waren vor Ort und stellten sich den Mitgliedern vor der anstehenden Abstimmung vor. Alle Themen, Anträge und Beschlussvorlagen wurden mit erforderlicher Mehrheit angenommen.
Almut Feller hob noch einmal hervor, dass FONAP auch weiterhin nationale und internationale Partnerschaften sowie Netzwerke ausbaut sowie jeden wichtigen Austausch pflegt. Es geht um Inklusion, gute Ansätze – die langfristig wirken – und effiziente Wissensvermittlung mit Unterstützung der Wissenschaft. Welche Formate und Kooperationen sich hierfür eigen, wird in den nächsten Monaten von FONAP erarbeitet. – Die Vorstandsvorsitzende fasste den Tag pointiert zusammen und dankte allen Sprecher*innen für ihren wertvollen Input, Professor Christian Thorun für die Moderation, den Teilnehmer*innen für ihre aktives Engagement und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.
Weitere Informationen folgen!
