Zertifizierungen

Zertifizierung von Palmöl

Um eine ökologisch und sozial verträglichere Produktion von Palmöl und Palmkernöl zu fördern und nicht zuletzt auch aufgrund der weltweiten Kritik an den Praktiken im Palmölanbau, haben sich in den vergangenen Jahren verschiedene Zertifizierungssysteme entwickelt. Sie alle verfolgten das Ziel, Herausforderungen zu identifizieren, gemeinsam mit allen relevanten Akteuren in den Dialog zu gehen und Lösungsansätze für einen resilienten Anbau von Ölpalmen zu entwickeln.

Zertifizierungssysteme sind ein Teil der Lösung zu einer resilienteren Palmölproduktion. Sie allein können die Probleme im Sektor jedoch nicht lösen. Dazu gehören auch die Unterstützung der nationalen Politik und europäischen bzw. internationalen Gesetzgebung (z. B. EUDR/Entwaldungsgesetz und das LkSG/Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz), die Durchsetzung bereits bestehender Gesetze sowie verantwortungsvolle Produzenten und Händler.

Über die letzten Jahre hinweg hat sich unser Forum dafür eingesetzt, dass Zertifizierungssysteme verbessert wurden. Trotz aller Kritik erachtet FONAP Zertifizierungssysteme aber weiterhin als ein wichtiges Werkzeug.

Welche Zertifizierungssysteme akzeptiert das FONAP?

Das Forum Palmöl akzeptiert derzeit folgende Zertifizierungssysteme für die Umsetzung seiner Selbstverpflichtung: RSPO und ISCC PLUS.

Seit dem Jahr 2025 wird auch die Bio-Zertifizierung in Kombination mit RSPO Mass Balance oder Union for Ethical Biotrade (UEBT) anerkannt. Die Änderungen werden ab der Monitoring-Runde 2026 für das Jahr 2025 in Kraft treten.

Wie wird zertifiziertes Palmöl gehandelt?

Bei der Beschaffung von zertifiziertem Palmöl gibt es verschiedene Handelsoptionen innerhalb der Lieferketten. Allen Optionen gemein ist, dass Palm- und Palmkernöl auf zertifizierten und auditierten Plantagen produziert wird. Allerdings unterscheiden sich die verschiedenen Handelsmodelle darin, ob zertifiziertes Palmöl tatsächlich im Produkt enthalten ist oder nicht. Ab 1. Januar 2027 sind nur noch die Handelsmodelle "IP = Identity Preserved" und "SG = Segregiert" sowie unter strengen Vorgaben das Mass-Balance-Modell erlaubt. Details zum Mass-Balance-Modell siehe weiter unten.

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Handelsmodelle

Identity Preserved

Die Handelsoption Identity Preserved (IP) ermöglicht, bis zum Endprodukt zu identifizieren, von welcher Plantage das verwendete Palmöl stammt. Für die Produktion von Palmöl nach der Handelsoptionen IP ist eine aufwändige und kostenintensive Infrastruktur notwendig. Gleichzeitig stellt sie einen sehr glaubwürdigen Weg der Beschaffung dar, da das Palmöl zu 100 Prozent bis zur Plantage rückverfolgbar ist.

Segregation

Ähnlich der Option Identity Preserved wird auch bei der Handelsoption Segregation (SG) nachhaltig zertifizierte Ware entlang der gesamten Lieferkette durchgängig von nicht-zertifizierter Ware getrennt. Die Produzenten und Verarbeiter müssen sicherstellen, dass die Stoffströme nachweislich nicht in Kontakt kommen. Dabei kann Palmöl, anders als bei IP, allerdings aus mehreren zertifizierten Plantagen miteinander gemischt werden.

Der Produktstrom wird durch unabhängige Zertifizierungsinstanzen überprüft. Auf diese Weise können Hersteller von Endprodukten sicherstellen, dass das gehandelte Palmöl auf seine Nachhaltigkeit hin überprüft und entlang der gesamten Lieferkette kontrolliert wurde. Segregiertes Palmöl ist insbesondere bei der Nutzung von reinem Palmöl relevant, da am Markt entsprechende Volumen in dieser Option zur Verfügung stehen.

Handelsmodell Segregation

Massenbilanz / Mass Balance

Bei dem Massenbilanzmodell (MB) wurde bisher Palmöl von zertifizierten Plantagen mit konventionellem, nicht-zertifiziertem Palmöl in der Wertschöpfungskette gemischt. Dabei wurde kontrolliert, wie groß der Anteil zertifizierter Ware ist und sichergestellt, dass nicht mehr vom Endprodukt als zertifiziert ausgezeichnet wird, als vor der Vermischung aus Zertifizierung eingebracht wurde. Es findet eine buchhalterische Erfassung und Weitergabe von zertifiziertem Palmöl statt. Die Option der Massenbilanz ermöglichte so das Ausweisen sog. „nachhaltigere“ Ware auf jeder Stufe der Warenkette, ohne jedoch eine zusätzliche Infrastruktur für eine parallele Lieferkette aufbauen zu müssen. Dadurch, dass zertifizierte und konventionelle Ware nicht physisch getrennt werden, ließ sich MB-Ware innerhalb der Lieferketten recht einfach handeln. Das ist aber NICHT mehr möglich!
Nach den neuen gesetzlichen Anforderungen ist nur noch eine Mischung von EUDR-konformer Ware erlaubt, d.h. entwaldungsfreies Palmöl aus verschiedenen legalen und entwaldungsfreien Quellen, wenn die Geodaten aller beteiligten Parzellen für das Endprodukt lückenlos dokumentiert und in der Sorgfaltserklärung angegeben werden können.

Diese Option ist insbesondere für die Nutzung von Palmkernöl sowie von Derivaten relevant. Mit Inkrafttreten der Europäischen Entwaldungsverordnung müssen Unternehmen in der EU jedoch sicherstellen, dass keine Entwaldung in den physischen Lieferketten für Palm(kern)öl und seine Fraktionen aufgetreten ist.

Handelsmodell Massenbilanz

Independent Smallholder Zertifikate

Eine Besonderheit stellen die sogenannten I.S.-Zertifikate (Independent Smallholder Zertifikate) dar, die im RSPO gehandelt werden. Diese spezielle Form von Book and Claim-Zertifikaten wird ausschließlich von unabhängigen Kleinbauern produziert. Bislang ist es nur schwer möglich, unabhängige Kleinbauern in die globalen zertifizierten Warenströme zu integrieren. Der Verkauf von I.S.-Zertifikaten ist für unabhängige Kleinbauern daher die einzige Option, Palmöl nachhaltig zu produzieren und anschließend zu verkaufen. Das FONAP stellt I.S.-Zertifikate daher allen anderen Handelsoptionen gleich.

Was bedeutet Lieferketten-Zertifizierung?

Die Zertifizierung einer Lieferkette nach dem RSPO-Lieferkettenstandard bescheinigt eine ununterbrochene Überwachung aller Stufen in der Lieferkette des Palmöls: von der Raffination und Verarbeitung über Veredelung und Transport bis zu Vertrieb und Ankunft beim Verbraucher.

Alle Akteure, die in den rechtmäßigen Besitz von RSPO-zertifiziertem Palmöl gelangen und physisch mit dem Palmöl umgehen, sind dazu verpflichtet, eine Zertifizierung ihrer Lieferkette durchzuführen.

Generell gilt, dass ein Unternehmen, das sich zertifizieren lassen möchte, nur das gleiche Handelsmodell wie sein Zulieferer nutzen oder auf einen weniger strikten Handelsweg umstellen kann. Der Rohstoffeintrag mit der niedrigsten Zertifizierungsaussage bestimmt also die Aussage des fertigen Produktes.

2020 wurde der RSPO-Lieferkettenstandard (RSPO SCC) überarbeitet. Kern des aktuellen Standards ist, unter anderem, eine regelmäßige Überprüfung der Gültigkeit der Lieferkettenzertifizierung von Lieferanten oder der Lizenz für Händler durch Standorte entlang der Lieferkette. Des Weiteren müssen RSPO-Mitglieder, die ihre Ware unmittelbar von den Produzenten oder Mühlen beschaffen, eine aktuelle Liste der zertifizierten wie auch nicht zertifizierten Lieferwerke online veröffentlichen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Wie kann man zertifiziertes Palm(kern)öl beschaffen?

Einen ersten guten Anhaltspunkt über verfügbares zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl und Derivate sowie mögliche Lieferanten bieten Ihnen die Webseiten der verschiedenen Zertifizierungssysteme. ISCC und RSPO veröffentlichen hier regelmäßig Übersichten über die von ihnen zertifizierten Unternehmen und Lieferanten.

Zertifizierungen im Detail

RSPO

Der „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) wurde 2004 gegründet, um den negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen der rasch wachsenden Palmölproduktion entgegenzuwirken. In etwas mehr als zwanzig Jahren ist die Mitgliederzahl des RSPO von 5 auf über 6.400 (Stand: August 2026) aus der gesamten Lieferkette angewachsen, und der RSPO hat sich zum am weitesten verbreiteten Standard im Palmölsektor entwickelt. Rund 16,2 Millionen Tonnen Palmöl (angebaut auf 5,3 Millionen Hektar) – das entspricht etwa 20 Prozent der weltweiten Produktion – sind nach diesem Standard zertifiziert. Mit einer ganzheitlichen Sichtweise auf den Palmölanbau, die über Entwaldung und Rechtskonformität hinausgeht, leisten RSPO-zertifizierte Plantagen freiwillig mehr für den Naturschutz und die Menschenrechte, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Klicken Sie hier, um den aktuellen RSPO-Wirkungsbericht einzusehen.

Der RSPO-Standard für Erzeuger (Grundsätze und Kriterien) umfasst 162 Anforderungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG), die die Erzeuger einhalten müssen und die jährlich überprüft werden. Diese Indikatoren umfassen:
• Verhinderung von Entwaldung: Die Rodung oder Umwandlung von Primärwäldern oder ökologisch wertvollen Waldgebieten, wie z. B. High Conservation Value (HCV)-Gebiete und Wälder mit hohem Kohlenstoffvorrat (High Carbon Stock, HCS), ist nicht erlaubt.
• Verbot des Einsatzes von Feuer: „Brandrodung“ zur Rodung von Land ist nicht erlaubt.
• Einsatz und Umgang mit Pflanzenschutzmitteln: Der Einsatz von hochgefährlichen Stoffen ist verboten. In seltenen Ausnahmefällen und Notfällen (z. B. bei Schädlings- oder Krankheitsausbrüchen) können Ausnahmen gewährt werden.
• Schutz von Mooren: Neue Plantagen auf Moorböden sind verboten.
• Wahrung der Menschenrechte: Die Rechte und das Wohlergehen lokaler Gemeinschaften und indigener Völker werden respektiert.
• Arbeitsrechte: Arbeitnehmer haben Anspruch auf Unterkunft, Verpflegung, Löhne, Tarifverhandlungen usw.
• sowie viele weitere Themen. Klicken Sie hier, um alle 162 Indikatoren des Standards für Grundsätze und Kriterien einzusehen.

Klicken Sie hier, um weitere Informationen darüber zu erhalten, was RSPO-zertifiziertes nachhaltiges Palmöl ist und wie das RSPO-Markenzeichen verwendet wird.

ISCC PLUS

Das Zertifizierungssystem ISCC (International Sustainability and Carbon Certification) PLUS stellt strenge Anforderungen an den ökologisch und sozial verträglichen Anbau sowie an die Rückverfolgbarkeit von Palmöl. Die gesamte Lieferkette – von der Plantage bis zum Endprodukt – wird kontrolliert und dokumentiert, um Betrug und Vermischung zu verhindern.

Die Kriterien und Prinzipien ruhen auf sechs zentralen Säulen:

1. Schutz von Lebensräumen: Palmöl darf nicht von Flächen stammen, die nach Januar 2008 durch Rodung von Regenwäldern oder die Zerstörung von Torfmooren und artenreichen Ökosystemen entstanden sind.
2. Umweltschonende Bewirtschaftung: Boden, Wasser und Luft müssen geschützt werden. Der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden ist streng reglementiert.
3. Soziale Aspekte: Unternehmen müssen sichere Arbeitsbedingungen, faire Löhne sowie angemessene Gesundheits- und Sicherheitsstandards für Arbeiter gewährleisten.
4. Menschen- und Landrechte: Lokale Gesetze sowie internationale Menschenrechte müssen respektiert werden. Insbesondere dürfen traditionelle Landnutzungsrechte indigener Gruppen nicht verletzt werden.
5. Gesetze und internationale Abkommen: Die landwirtschaftliche Produktion muss im Einklang mit geltenden regionalen und nationalen Gesetzen sowie internationalen Abkommen erfolgen. Dazu gehören rechtmäßige Landnutzung sowie Maßnahmen gegen Korruption, Bestechung und Interessenkonflikte.
6. Managementpraktiken: Unternehmen müssen geeignete Strukturen und Prozesse etablieren, die eine wirtschaftlich stabile und verantwortungsvolle Betriebsführung sowie die kontinuierliche Verbesserung betrieblicher Praktiken gewährleisten.

Zusätzlich ermöglicht das freiwillige ISCC GHG add-on eine transparente Berechnung und Verifizierung von Treibhausgasemissionen entlang der Lieferkette.

Mehr erfahren: https://iscc-system.org/certification/certification-schemes/iscc-plus/