Über Palmöl
Was ist Palmöl
Palmöl ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: Schätzungen des WWF zufolge enthalten rund 50 Prozent aller Produkte im Supermarkt Palmöl – von Waschmittel und Lippenstift über Eiscreme bis hin zu Wurstwaren. Ein großer Teil des global produzierten Palmöls wird zudem als Biokraftstoff oder Tierfutter verwendet.
Die ursprünglich in Westafrika beheimatete Ölpalme (Elaeis guineensis) wird heute in nahezu allen Tropenregionen der Erde angebaut. Laut United States Department of Agriculture (2023) wurden im Jahr 2022 weltweit rund 78 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Hauptanbaugebiete sind Indonesien und Malaysia, die mit rund 65 Millionen Tonnen Palmöl etwa 83 Prozent des weltweit hergestellten Palmöls produzieren. Allein in Indonesien wachsen Ölpalmen auf knapp 14 Millionen Hektar – einer Fläche, mehr als drei Mal so groß wie die Schweiz (IndexMundi, 2023). Allerdings nimmt ihre Verbreitung auch in Südamerika und Afrika immer mehr zu. Indonesien und Malaysia sind mit 57 und 32 Prozent auch die führenden Exportländer weltweit. Nach Indien (19 Prozent), gefolgt von China (15 Prozent) ist die Europäische Union mit 10 Prozent und 4,8 Millionen Tonnen der weltweit drittgrößte Importmarkt für Palmöl (IndexMundi 2023). Am meisten Palmöl wurde im Jahr 2021/22 von Indonesien (18,9 Millionen Tonnen), Indien (8,35 Millionen Tonnen), China (5,05 Millionen Tonnen) und der EU (5,75 Millionen Tonnen) verbraucht. Global werden 65 Prozent des Palmöls in der Lebensmittelbranche und 31 Prozent in der Industrie verwendet. Dies schließt unter anderem Biodiesel und Kosmetik mit ein.
Frucht
Die Frucht der Ölpalme ähnelt einer Olive: Sie hat einen harten Steinkern und ein fleischig- cremiges Fruchtfleisch. Durch ihren hohen Beta-Carotin-Gehalt erhält die Palmfrucht ihre rötliche Färbung. Bei der Raffination wird diese Färbung entfernt. Die Palmfrucht weist mit ihren 45 bis 60 Prozent Gesamtfett einen hohen Fettgehalt auf. Sowohl aus dem Fruchtfleisch wie auch aus dem Kern der Ölpalmfrüchte werden wertvolle Öle gewonnen: Palmöl aus dem Fruchtfleisch und das feste Palmkernöl aus den Kernen der Früchte. Früchte und Kerne werden jedoch getrennt verarbeitet.
Palmöl
Palmöl ist das weltweit meistverwendete pflanzliche Öl. Es wird aus dem gelblich- bis orangefarbenen Fruchtfleisch gewonnen. Kurz vor der Ernte ist der Ölgehalt der Früchte am höchsten: Dann beträgt er zwischen 45 und 50 Prozent. Nach der Ernte werden die reifen Früchte sterilisiert, um Enzyme zu deaktivieren, und gepresst. Dabei entsteht das rohe Palmöl (Crude Palm Oil, CPO). Palmöl ist geschmacksneutral sowie hitzestabil und eignet sich daher gut zum Braten, Backen und Frittieren. Dies wird traditionell unter anderem in Indonesien oder westafrikanischen Ländern gemacht. Durch seinen hohen Energiegehalt eignet es sich aber auch als Kraftstoff. Zudem wird Palmöl auch für die Herstellung von Kerzen, Kosmetikprodukten oder Waschmittel genutzt. Aufgrund dieser einzigartigen natürlichen Eigenschaften lässt sich Palmöl daher kaum durch andere Rohwaren ersetzen.
Palmkernöl
Obwohl sie aus derselben Frucht gewonnen werden, haben Palmöl und Palmkernöl sehr unterschiedliche Zusammensetzungen. Für die Gewinnung von Palmkernöl werden die Kerne getrocknet, teils gemahlen und anschließend gepresst. Palmkernöl gehört, wie das Kokosöl, zu den Laurinölen, enthält also bis zu 80 % die gesättigte Fettsäure Laurinsäure in gebundener Form. Bei Raumtemperatur ist das Palmkernfett fest und muss nicht chemisch gehärtet werden. Dies macht es besonders streichfähig. Palmkernöl wird aufgrund seiner Konsistenz vor allem in der Süßwarenindustrie eingesetzt. Hoch geschätzt sind seine Eigenschaften als Trägerstoff für Aromen und Vitamine, die ohne Palmkernöl nicht in Lebensmittel eingebracht werden können. Ebenso wird es wegen seiner besonderen Eigenschaften, die sich bei anderen Pflanzenölen nur in Kokosöl finden, von der Kosmetik- und Waschmittelindustrie stark nachgefragt. Waschaktive Substanzen, die aus Palmkernöl gewonnen werden, stecken als sogenannte Tenside in Shampoos, Wasch- oder Reinigungsmitteln. Weltweit wurden im Jahr 2019 rund 8,7 Millionen Tonnen Palmkernöl produziert. Etwa acht Prozent des global gehandelten Palmkernöls landet in Deutschland. Im Zeitraum 2021/22 wurden weltweit etwa 20,1 Millionen Tonnen Palmkernöl verarbeitet.
Derivate
Palm- oder Palmkernöl können durch aufwändige chemische Umwandlungsprozesse verändert werden. Dabei entstehen sogenannte Derivate, die beispielsweise als Tenside oder Emulgatoren in Kosmetika und Reinigungsmitteln eingesetzt werden. Emulgatoren bewirken, dass zwei eigentlich nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten wie Öl und Wasser vermengt werden können. Bei Tensiden handelt es sich um waschaktive Substanzen. Derivate aus Palmöl und Palmkernöl sind marktübliche Inhaltsstoffe, für die es derzeit kaum verwendbare Alternativen mit vergleichbaren Eigenschaften gibt.
Pflanze
Die bis zu 30 Meter hohe Ölpalme ist eine vielseitig nutzbare Pflanze. Etwa drei bis 5 Jahre nach der Pflanzung ist die Palmpflanze kommerziell nutzbar. In den Blattachseln der Palme bilden sich ab dem dritten Lebensjahr Früchte aus, die wie Büschel aussehen und aus vielen Einzelfrüchten bestehen. Nach etwa vier bis sechs Jahren stabilisiert sich der Ertrag, erst ab dem 21. Jahr geht die Produktion langsam zurück. Die alten Palmen werden dann durch neue ersetzt. Eine adulte Ölpalme produziert ungefähr 15-mal im Jahr Fruchtbüschel von mehr als 20 kg, die in großen und dichten Fruchtständen wachsen. Die Ölpflanze ist robust und wenig anfällig für Schädlinge. Der Bedarf an Palmöl ist hoch. Dies lässt sich unter anderem auf die stetig wachsende Bevölkerung und deren steigende Nachfrage an verarbeiteten Lebensmitteln zurückführen.
Ertrag
Besonders beliebt ist sie auch, da die Ölpalme mit durchschnittlich 3,25 Tonnen pro Hektar (t/ha) den mit Abstand höchsten Ertrag aller Ölpflanzen aufweist. Von allen Ölfrüchten nimmt die Ölpalme den geringsten Teil, etwa 9 Prozent, der gesamten Anbaufläche für die weltweite Öl- und Fettgewinnung ein. Gleichzeitig stellt sie mit etwa 40 Prozent aber den größten Anteil der Gesamtproduktion. Sonnenblumen, Kokos oder Soja – ihr Flächenertrag ist durchschnittlich drei Mal geringer als der von Palmöl.
Palmöl in Deutschland
Unsere letzte Analyse des Palmölsektors in Deutschland für das Jahr 2019 ergab, dass von den 1,26 Millionen Tonnen Palmöl, die in Deutschland verbraucht wurden, über 1 Million Tonnen zertifiziert waren. Der größte Anteil, mit 726,397 Tonnen des Palmölverbrauchs, lag in der Energiegewinnung, und dort vor allem im Transportsektor. Seit Januar 2023 wird die Beimischung von Palmöl in Deutschland nicht mehr auf die Treibhausgas-Minderungsquote angerechnet. Der Rohstoff wird daher kaum noch für die Produktion von Biodiesel verwendet. EU-weit wird die Nutzung von Palmöl im Treibstoffsektor bis spätestens 2030 auslaufen.