Selbstverpflichtung und Zusatzkriterien
Die Mitglieder im FONAP haben seit Beginn (2015) eine öffentliche Selbstverpflichtung abgegeben: Sie verwenden ausschließlich zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl sowie deren Derivate und Fraktionen in ihren Produkten.
Daneben verfolgen sie anspruchsvolle Zusatzkriterien, wie z. B. die Minderung negativer Auswirkungen der Palmöl-Bewirtschaftung auf Biodiversität (Anlage von Biodiversitätskorridoren auch innerhalb der Plantagen oder Vernetzung von Habitaten in der palmöldominierten Landschaft oder Erhöhung der Agrobiodiversität innerhalb der Plantagen) sowie die aktive Förderung von Kleinbäuer*innen (durch Projekte, den direkten Kauf von Kleinbauernerntemengen, den Kauf von Kleinbauernzertifikaten oder durch eigene Förderprogramme der Produzent*innen).
Die Selbstverpflichtung der FONAP-Mitglieder bestand bis Ende 2026 aus drei Säulen:
- Umstellung auf zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl sowie Fraktionen und Derivate
- Lieferantendialoge zu den Themen Rückverfolgbarkeit und Erreichung der Zusatzkriterien
- Detaillierte Berichterstattung zur Zielerreichung
Das heutige Engagement im FONAP widmet sich in erster Linie den neuen ordnungspolitische Vorgaben bzw. Gesetzgebungen (wie z.B. EUDR/Gesetz gegen Entwaldung, das LkSG/Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) sowie der Erprobung von Lösungsansätzen – etwa über Pilotprojekte – in den Ursprungsländern. Den FONAP-Mitgliedern stehen verschiedene Teilnahmeformate offen, z.B. der Austausch im Rahmen von Fachveranstaltungen, die Mitwirkung in Arbeitsgruppen oder die freiwillige Unterstützung eines FONAP-Kleinbauernprojekts.
Im Forum diskutieren wir derzeit aufgrund der neuen Gesetzgebungen die Überarbeitung unserer Selbstverpflichtung sowie Zusatzkriterien.
FONAP erkennt derzeit folgende Zertifizierungssysteme an: RSPO, ISCC PLUS.
Mitglieder wie Nichtregierungsorganisationen, Verbände oder Beratungsunternehmen, die kein Palm(kern)öl verarbeiten, verpflichten sich, stets im Sinne einer möglichst baldigen Zielerreichung zu handeln.
Für Supporter im FONAP galt bisher eine abgestufte Selbstverpflichtung. Sie verpflichteten sich,
- nachhaltige Ölpalmprodukte zu fördern
- Mitglieder bei der Erfüllung der Selbstverpflichtung – inklusive der Zusatzkriterien – zu unterstützen
- jährlich den Anteil zertifizierter Ware belegbar und ambitioniert zu erhöhen, beziehungsweise ihr Angebot zertifizierter Ware entsprechend auszuweiten
- sich an einem Projekt zur Umsetzung oder Förderung von Sozial- oder Umweltaspekten in Bezug auf einen ökologisch und sozial verträglicheren Ölpalmanbau zu beteiligen
Im Forum diskutieren wir derzeit aufgrund der neuen Gesetzgebungen die Überarbeitung unserer Selbstverpflichtung sowie Zusatzkriterien.
Jedes Jahr berichten die Mitglieder und Supporter über ihre Zielerreichung. Die Ergebnisse sind im jährlichen Fortschrittsbericht zu finden. Hier finden Sie den aktuellen Fortschrittsbericht:
Zusatzkriterien
Die derzeit noch bestehenden und vom Forum in seiner Selbstverpflichtung anerkannten Zertifizierungssysteme definieren Mindestanforderungen an eine ökologisch und sozial verträglichere Palmölproduktion. Über die Selbstverpflichtung hinaus setzte sich das Forum daher von Anfang an für die Verbesserung der Zertifizierungssysteme ein. Da die vom FONAP anerkannten Zertifizierungssysteme noch nicht alle Forderungen zur Verbesserung berücksichtigt hatten, haben sich seine Mitglieder 2017 freiwillig Zusatzkriterien auferlegt, die 2022 noch einmal aktualisiert wurden.
Im Forum diskutieren wir derzeit aufgrund der neuen Gesetzgebungen die Überarbeitung unserer Zusatzkriterien.
Zusatzkriterien seit 2022
1. Minderung negativer Auswirkungen der Palmöl-Bewirtschaftung auf Biodiversität, inklusive Ökosysteme
Mitglieder setzen sich dafür ein, negative Auswirkungen der Palmöl-Bewirtschaftung auf Biodiversität abzumildern. Dafür können unterschiedliche Mittel zum Einsatz kommen:
- Anlage von Biodiversitätskorridoren auch innerhalb der Plantagen oder
- Vernetzung von Habitaten in der palmöldominierten Landschaft oder
- Erhöhung der Agrobiodiversität innerhalb der Plantagen
2. Unterstützung und Integration von Kleinbäuerinnen und -bauern in globale Lieferketten
Weltweit sind mindestens 5 Millionen Kleinbäuer*innen in der Palmölproduktion tätig. FONAP engagiert sich dafür, Kleinerzeugende in globale Lieferketten einzubinden. Durch den Zugang zu höherpreisigen Märkten können sie ihr Einkommen steigern und dadurch ihre Lebensbedingungen verbessern.
Den Mitgliedern stehen mehrere Möglichkeiten offen, das Kriterium zu erfüllen:
- Aktive Förderung von Kleinbäuer*innen, zum Beispiel durch Projekte
- Direkter Kauf von Kleinbauernerntemengen durch zertifizierte Unternehmen in der Lieferkette
- Kauf von Kleinbauernzertifikaten durch zertifizierte Unternehmen in der Lieferkette
- Eigene Förderprogramme der Produzent*innen
3. Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht wahrnehmen
Mitglieder verpflichten sich, über die Zertifizierung hinaus menschenrechtliche Sorgfaltspflichten wahrzunehmen. Sie entwickeln eine Policy zur Einhaltung der Menschenrechte und führen mit einem geeigneten Ansatz eine Risikoanalyse der eigenen Lieferkette durch.
Dieser Abstimmungsprozess verlief parallel zu den Diskussionen im Rahmen des LkSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz).
Zusatzkriterien seit 2017
1. Stopp des Anbaus auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt
Das FONAP fordert ein klares und vollständiges Verbot von Palmöl-Anpflanzungen auf Torfböden jeglicher Tiefe und anderen Böden mit hohem Kohlenstoffgehalt, um die enorme Freisetzung von Treibhausgas einzudämmen und den ökologischen Nutzen von Torfböden zu erhalten.
Da diese Forderung derzeit jedoch noch nicht durch alle bestehenden Standards abgedeckt ist, setzen sich die Mitglieder des FONAP dafür ein, dass das in ihrer Lieferkette bezogene Palmöl nicht von Neuanpflanzungen auf Torfböden sowie anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt stammt. Bei Palmöl, das von Plantagen bezogen wird, die bereits auf Torfböden bestehen, muss sichergestellt werden, dass im Rahmen der Neubepflanzung der Plantagen nach 25 Jahren Renaturierungsmaßnahmen vorgenommen oder zumindest in Erwägung gezogen werden.
2. Stopp der Nutzung hochgefährlicher Pestizide
Aufgrund der mit Pestiziden verbundenen Risiken für Gesundheit und Umwelt setzt sich das FONAP für das Verbot des Einsatzes von hochgefährlichen Pestiziden in der Palmölproduktion ein. Dies bezieht sich insbesondere auf das Unkrautvernichtungsmittel Paraquat, die im Anhang der Konventionen von Rotterdam und Stockholm gelisteten Pestizide und solche, die durch die WHO als „extrem gefährlich“ (WHO Klasse 1A) oder „hochgefährlich“ (WHO Klasse 1B) eingestuft wurden.
3. Anwendung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase
Da die Reduzierung von Treibhausgasen noch nicht als Ziel aller Zertifizierungssysteme festgelegt wurde, nimmt der Palmöl-verwendende Markt eine wichtige Rolle bei der Einforderung der Senkung von Emissionen ein. Darüber hinaus entstehen bei der Palmölproduktion in den Palmölmühlen große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Methan. Dieses kann über angewandte Technologien wie Biogasanlagen aufgefangen und unschädlich gemacht werden. Die FONAP-Mitglieder fordern schon heute von ihren palmölproduzierenden Lieferanten die fortlaufende Reduktion von Treibhausgasen und führen hierzu mit diesen intensive Gespräche.
4. Ausschließliche Verwendung von Ölpalmfrüchten (Fresh Fruit Bunches) aus legalem Anbau
Die meisten Mühlen, die noch nach der Massenbilanzierung produzieren, beziehen bislang sowohl zertifizierte als auch konventionell hergestellte Ölfrüchte, sogenannte Fresh Fruit Bunches (FFB). Um dem illegalen Anbau von FFBs entgegenzuwirken, hat das FONAP die Sicherstellung, dass zertifizierte Palmölmühlen auch nicht-zertifizierte Fresh Fruit Bunches ausschließlich aus legalem Anbau beziehen, als Kriterium aufgenommen. Mit Hilfe eines Kontroll- bzw. Verifizierungsmechanismus soll die Legalität der Ware bereits auf Ebene der Plantage sichergestellt werden.